HILDBURGHAUSEN: Bella BLUMENKRON (geb. SIMON), 1898-

Was Wir Wissen:

Familienname: Blumenkron
Geburtsname
: Simon
Vorname: Bella
Geburtsdatum/Geburtsort: 20. März 1898, Hildburghausen
Todestag/Todesort: Genauer Todestag unbekannt
Gestorben im Alter von: 44 Jahren bei DeportationFor the English text, click here.

Bella Simon, Tochter von Heinrich und Flora (geb. Müller) Simon, wurde 1898 in Hildburghausen geboren. Ihr Vater wurde im nahegelegenen Dorf Gleicherwiesen geboren, ihre Mutter in Eisenach. Sie hatte zwei Geschwister: eine ältere Schwester Erna, geb. 1897, und einen jüngeren Bruder Julius, geb. 1899.

Bella heiratete Walter Blumenkron aus Naumburg/Hessen. Wie und wann sie sich trafen, ist nicht bekannt. Walter, geb. 1897, war der Sohn von Julius und Berta (geb. Meyberg/Meiberg) Blumenkron und der Bruder einer Schwester Erna, geb. 1890. Nach ihrer Hochzeit lebte Walter anfangs in Hildburghausen. Im Januar 1929 wurde Walters und Ellas Tochter Inge geboren.

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Im Januar 1933, als das Naziregime begann, waren Bella, Ihre Eltern, ihr Ehemann und die Tochter, ihr Bruder und seine Familie alle in Deutschland. (Im Moment gibt es keine Spuren von Erna Simon außer Geburtstag und Geburtsort.) Auch Walters engste Familienangehörige waren in Deutschland: Julius und Bertha Blumenkron in Naumburg und Erna und ihre Familie in x. Im August 1933 starb Walters 78-jähriger Vater und neun Monate später, im Mai 1934, starb Heinrich Simon, Bellas 63-jähriger Vater.

Bella und Walter trennten sich irgendwann in den 1930ger Jahren. Walter kehrte in den Westen Deutschlands zurück und lebte in Köln. Bella blieb mit ihrer Mutter, ihrer Tochter und dem Bruder Julius in Hildburghausen. In der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde Julius verhaftet und vom 10. bis 30. November 1938 in Buchenwald inhaftiert. Die Dokumentation unten zeigt die Sachen, welche er erhielt, als er das Konzentrationslager betrat — ein Paar Schuhe, Socken, eine Jacke.

Arolsen Archives, Buchenwald, 7115493 Julius Simon

Die eskalierende Verfolgung veranlasste Bella (welche auf der Registrierungskarte als „gesch.“ oder geschieden geführt wurde), die Auswanderung in die Vereinigten Staaten („Reiseziel“ auf der Registrierungskarte) zu versuchen. Aber die Karten zeigen, dass Bella keinen Erfolg hatte.

Arolsen Archives, Emigration Index Card, 129818584 Bella Blumenkron, geb. Simon
Arolsen Archives, Emigration Index Card, 129818584 Bella Blumenkron, geb. Simon

Am 10. Mai 1942 wurden Bella (44 Jahre) und ihre Tochter Inge (13 Jahre) mit den anderen Juden aus Hildburghausen ins Ghetto nach Belzyce deportiert.

Arolsen Archives, 128450757 Bella Blumenkron, geb.Simon
Arolsen Archives, 128450592 Bella Blumenkron, geb. Simon

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Bellas engste Familie – ihre Mutter und ihr Bruder – wurden ebenfalls ermordet. Bellas Mutter Flora blieb nach der Abreise ihrer Tochter und Enkelin in Hildburghausen. Vier Monate später wurde sie zusammen mit anderen jüdischen Männern und Frauen aus Thüringen in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 2. Dezember 1942 starb. Bellas Bruder, Julius, lebte bis 1939 in Hildburghausen. Er heiratete im Februar 1939 Lisbeth Nothmann. Er und seine Frau lebten dann in Berlin bis zum 02. März 1943, als sie nach Auschwitz deportiert wurden.

Die Familie von Bellas Ex-Mann, Walter Blumenkron, wurde ebenfalls ausgelöscht: Alle waren tot, bevor Bella und Inge nach Belzyce deportiert wurden; ob Walter oder seine Mutter vom Schicksal von Inge, der Tochter von Walter und Enkelin von Bertha, wusste, ist unbekannt. Am 7. September 1941 wurde Walters Mutter, Bertha Blumenkron (geb. Meyberg), von Kassel aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert; dort blieb sie nur drei Wochen, bevor sie in das Vernichtungslager Treblinka weitertransportiert wurde, wo sie bei ihrer Ankunft ermordet wurde.

Walter wurde am 22. Oktober 1941 zusammen mit seiner zweiten Frau, Mathilde Schwarz, deportiert. Sie waren im ersten Transport aus Köln und gehörten zur ersten Gruppe von Deportationen, nachdem beschlossen worden war, die deutschen Juden in Ghettos im „Osten“ zu deportieren.  Im Mai 1942 wurden Walter und Mathilde in das erste der Vernichtungslager, Chelmno, deportiert. Das Datum ihrer Ermordung ist unbekannt.

Im Dezember 1941 wurde Walters Schwester, Erna Eva Diekhoff, von Naumburg aus in das Ghetto Riga deportiert. Ihr Ehemann Herbert und ihre beiden kleinen Kinder Werner und Edith.

Quellen:

Rainer Nickel, ,,Levy und Meyberg – Zwei jüdische Eschweger Hand werker- und Kauf mannsfamilien im 19. und 20. Jahrhundert,” Eschweger Geschichtsblätter, 29/2018, pp. 27-55
Hessisches Hauptstaatsarchiv; Wiesbaden, Deutschland; Bestand: 909; Signatur: 7048